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VSF-SUISSE HAT EIN GESICHT: LERNEN SIE GENEVIEVE ATIENO OWUOR AUS KENIA KENNEN

VSF- Suisse, 13.04.2015

 

 

Genevieve Atieno Owuor aus Nairobi arbeitet seit sechseinhalb Jahren als Expertin für Milchhygiene für VSF-Suisse. Wenn sie nicht arbeitet, liest sie ein Buch, schaut Filme oder geht auf Reisen.

 
 

Wie kamen Sie dazu, für VSF-Suisse zu arbeiten?


Ein ehemaliger Arbeitskollege zeigte mir die Stellenausschreibung und sagte mir, er werde sich für die Stelle bewerben. Ich fand die Arbeit tönte sehr interessant und beschloss, mich ebenfalls zu bewerben. Ich wurde zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen und bekam die Stelle.

 

Was motiviert Sie, für VSF-Suisse zu arbeiten?


Ich bin keine Person, die gerne den Arbeitsplatz wechselt. Für meinen früheren Arbeitsgeber habe ich über 20 Jahre lang gearbeitet. Ich nahm mir selbst das Versprechen ab, VSF-Suisse nur zu verlassen, wenn es keinen neuen Vertrag gibt oder wenn ich pensioniert werde. Wenn mir etwas nicht gefällt, passe ich mich an die Umstände an und suche mir nicht gleich eine neue Stelle.

 

Was sind Ihre Aufgaben?


Ich kam zu VSF-Suisse als Expertin für Milchhygiene, mit Fokus auf der  Milchwertschöpfungskette. Meine Arbeit beinhaltet folgende Aufgaben: Ich informiere mich im Voraus über zu implementierende Projekte und muss deren Inhalt verstehen. Ich suche aufgrund spezifischer Kriterien die Projektteilnehmer heraus, bereite Arbeits- und Zeitpläne für das Milchhygiene-Training vor und kümmere mich um die Budgetierung und das Finanzmanagement im Feld. Ich überwache und bilde die Projektteilnehmer der Milchwertschöpfungskette aus. Bei Versammlungen im Feld bin ich die Repräsentantin von VSF-Suisse. Ich arbeite eng mit Stakeholders aus dem Bereich der Viehwertschöpfungskette zusammen. Manchmal verfasse ich Aufsätze über die Milchwertschöpfungskette und trage diese an verschiedenen Anlässen vor.

 

Wie sieht ein typischer Arbeitstag von Ihnen aus?


An den meisten Tagen stehe ich früh auf, damit ich noch in meiner Bibel lesen und beten kann. Dann mache ich ein paar Bewegungsübungen und bereite mich auf die Projektaktivitäten des Tages vor. Wenn ich ein Training im Feld habe, mache ich mich zwischen 6.30 und 7 Uhr morgens auf den Weg. Vor der offiziellen Trainings-Session habe ich mit den Leuten bereits Gespräche geführt und Verträge mit der Gemeinschaft aufgesetzt, die festlegen, wer sich um was kümmert und wer was zur Verfügung stellt. Das Milchhygiene-Training dauert normalerweise einen ganzen Tag und wenn ich zurück ins Büro komme, ist es meistens später Abend. Ich nehme mir eine Stunde Zeit um ein wenig auszuruhen und etwas zu essen und berichte über meine Tagesaktivitäten. Normalerweise gehe ich zwischen 23.30 Uhr und Mitternacht ins Bett. In den Phasen wo ich im Feld arbeite, arbeite ich sieben Tage die Woche.

 

Was mögen Sie besonders an Ihrer Arbeit?


Zu wissen, dass ich etwas Nützliches tun kann und Menschen bei der Lösung ihrer Probleme helfen und unterstützen kann, erfüllt mich mit grosser Zufriedenheit. Im Rahmen meiner Arbeit reise ich quer durch alle trockenen Gebieten von Kenia und besuche Menschen welche so arm sind, dass man sich das gar nicht vorstellen kann. Ich helfe ihnen, ihre Nahrungsmittelsituation zu verbessern und die Nahrungsmittelsicherheit für ihre Familien zu erhöhen. Als ich meine Arbeit bei VSF-Suisse begann, brauchte ich eine gewisse Eingewöhnungszeit, doch nun liebe ich meine Arbeit und weiss, dass sie die richtige für mich ist.
 

Ich helfe Gemeinschaften, unter harten Bedingungen zu leben und zu überleben und ihre Widerstandsfähigkeit als Gesellschaft zu stärken. Dies ist oft eine grosse Herausforderung und kann ermüdend sein, aber am Ende des Tages erfüllt es einen mit grosser Zufriedenheit.

 

Welche Veränderungen werden durch Ihre Arbeit im Leben der Begünstigten herbeigeführt?


Ich habe mitgeholfen, über zwanzig Selbsthilfegruppen für Frauen ins Leben zu rufen. Einige dieser Frauen sahen NGOs lediglich als Anbieter von Gratisgütern und hatten keinen Anreiz, etwas selber in die Hand zu nehmen. In der Selbsthilfegruppe ermutigen wir Teilnehmerinnen, 10 kenianische Schillings (ca. 10 Rappen) pro Tag zur Seite zu legen. Dadurch können sie sich eine Basis für Geschäfte und Investitionen schaffen oder die Nahrungsmittelgrundlage für ihre Familie langfristig verbessern. Den Frauen war vorher nicht bewusst, dass auch eine kleine Ersparnis wie 10 kenianische Schillings langfristig einen grossen Einfluss auf ihr Leben haben kann.
 

Eine Gruppe in Isiolo beispielsweise hat sich mit ihren Ersparnissen Milchziegen angeschafft, von denen sie Milch für den Eigengebrauch nutzen oder die sie weiterverkaufen können. Die Frauen sind sehr zufrieden damit, was die Ziegen alles bewirken können. In Mandera und Wajir stellen die Frauengruppen Jogurt und Süssigkeiten her und verkaufen diese. Früher musste Jogurt jeweils vom über 1000 Kilometer weit entfernten Nairobi geholt werden. Neben den Selbsthilfegruppen führe ich auch Untersuchungen zur Milchqualität durch. Dabei wird die Qualität jeweils vor und nach dem Projekt untersucht, um den Erfolg zu messen. Vor den Trainings erfüllen die meisten Milchproben den Qualitätsparameter nicht; nach Abschluss des Trainings jedoch schon. Eines der grossen Probleme sind die Antibiotikum-Rückstände in der Milch: Die Tierbesitzer warten nach der Krankheit eines Tieres nicht lange genug, bis die Medikamente im System des Tieres nicht mehr feststellbar sind. Durch das Training wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer darauf sensibilisiert, länger mit dem Melken zu warten und dafür eine bessere Milchqualität zu haben.

 

Was für besondere Erfahrungen haben Sie in ihrem Arbeitsalltag bei VSF-Suisse gemacht?


Bevor ich 2008 zu VSF-Suisse stiess, war ich noch nie in solch abgelegene und ländliche Gebiete von Kenia gereist. Ich hatte in Nairobi die Schulde besucht und mein ganzes bisheriges Leben lang dort gearbeitet. Während Feldbesuchen bei meiner früheren Arbeit konnten wir abends meistens wieder nach Hause oder übernachteten in Hotels in grossen Städten. Mir war nicht bewusst, dass dieser Luxus nicht üblich ist für Hilfswerkmitarbeiterinnen und –mitarbeiter.

 

Als ich einen Monat bei VSF-Suisse arbeitete, wurde ich angefragt bei einem Projekt mitzuarbeiten, das die Milchqualität in der Wajir-Region untersuchte. Dazu mussten wir in ein abgelegenes Gebiet fahren, das Diff heisst und etwa 100 Kilometer ausserhalb von Wajir-Stadt liegt. Als kleine Matratzen auf unser Auto geladen wurden, habe ich mir nicht viel dabei gedacht. Wir sind erst nach 19 Uhr abends in Diff angekommen und zu meiner Überraschung waren dort keine Hotels oder sonstigen Übernachtungsmöglichkeiten vorzufinden. Ebenso gab es keine Orte um sich zu waschen oder um etwas zu Essen. Wir mussten unsere Matratzen unter freiem Himmel auf den Boden legen und dort alle zusammen schlafen; ich war die einzige Frau im Team. Dies war der lustigste Moment in meinem Leben. Ich dachte mir: Wie soll ich eine Matratze mit Leuten teilen, die ich kaum kenne? Wie und wo sollte ich mich erleichtern? Wo sollte ich mein Nachthemd anziehen?
Ich begann zu realisieren, dass noch viele solche Situationen auf mich zukommen würden. Es war ein lustiges und unvergessliches Erlebnis und ich fühlte mich wie in einer grossen VSF-Suisse-Familie. Am nächsten Morgen erlebte ich eine weitere Überraschung, als die Sonne vor 5 Uhr früh aufging. Diff liegt östlicher als Nairobi, weshalb die Sonne früher aufgeht. Wir standen auf und begannen unsere Arbeit ohne zu duschen oder zu frühstücken, nur mit  Zähneputzen.

 

Dank VSF-Suisse änderte sich die Situation in Diff jedoch: Eine Frauengruppe wurde dabei unterstützt ein Gästehaus aufzubauen. Ich habe mehrmals darin übernachtet, aber die Erinnerung an meinen ersten Aufenthalt in Diff wird immer bleiben.

 

Was für Herausforderungen stehen bei der Arbeit für VSF-Suisse an?


VSF-Suisse ist sehr beliebt in den Gemeinschaften wo wir arbeiten. Unser Hauptproblem ist der Cashflow, der es teilweise schwer macht, die Projekte rechtzeitig fertigzustellen; vor allem die Nachbearbeitung und Analyse der Projekte leiden darunter. Die Begünstigten werden somit nach Projektende ein wenig sich selbst überlassen und erhalten kein Abschluss-Mentoring.

 

Was denken Sie über die ländliche Entwicklung in Kenia?


Kenia erliess 2010 eine neue Verfassung, welche die Rechte des Staatspräsidenten zugunsten des Parlaments einschränkte und die Regierung weniger zentralisiert agieren liess. Durch die  neue Verfassung werden viele Dienstleistungen näher zu den Leuten gebracht – vor allem jene in den abgelegenen Gebieten können davon profitieren. Sie können sich nun an Entscheidungen beteiligen, die sie direkt betreffen.
Mehr als drei Viertel der Bevölkerung von Kenia lebt auf dem Land und der grösste Teil ihres Einkommens stammt aus den landwirtschaftlichen Erträgen. Aufgrund von Umweltproblemen nehmen diese immer weiter ab und die Bevölkerung wird immer ärmer. Vor allem schlechtes Wasser-Management, Bodenerosionen und sinkende Fruchtbarkeit der Böden führen zu geringeren Ernten. Diese Probleme zu bekämpfen ist eine der grössten Herausforderungen in der kommenden Zeit. Ländliche Gemeinschaften müssen ermutigt und unterstützt werden, sich selber versorgen zu können – auch unter schwierigen Bedingungen – anstatt jedes Jahr von neuem kurzfristige Nahrungsmittelhilfe zu erhalten. Es müssen Bohrlöcher gegraben werden, um den hohen Verlust an Vieh zu verhindern und den Teufelskreislauf zu durchbrechen.

 

Was möchten Sie den Leuten in der Schweiz mitteilen, die VSF-Suisse unterstützen?


Ich möchte ihnen ein GROSSES DANKESCHÖN für ihre Unterstützung aussprechen!
Durch die Grosszügigkeit werden viele Leben positiv beeinflusst und ein Lächeln auf das Gesicht dieser Menschen gezaubert.

 

 

Tags: Kenia. Milch  VSF hat ein Gesicht  VSF-Suisse 
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