Gesunde Tiere – Gesunde Menschen – Gesunde Umwelt

Weniger Ziegen sichern das Überleben

Bonny Wilkinson, 07.12.2011

Der Wind heult, der Muezzin ruft zum Gebet, und die Ziegen, Esel und Hähne rufen – es ist Morgen in Merti. Draussen ist es bereits warm und die Sonne geht über der Stadt auf. Heute gehen wir nach Korbesa um einer Schlachtung beizuwohnen; eine klassische Intervention um den Auswirkungen der Dürre entgegenzuwirken. VSF-Suisse kauft den Gemeinden einen Teil ihrer Tiere ab. Die Familien erhalten so einen wichtigen finanziellen Zuschuss um Bedürfnisse wie Ausbildung und Gesundheit sicherzustellen. Die geschlachteten Tiere werden nach Inspektion an bedürftige Familien in der Gemeinde verteilt um ihre Ernährung mit wichtigen Proteinen anzureichern. Eine kleinere Herde hat ausserdem eine grössere Überlebenschance mit den von der Dürre dezimierten Futter- und Wasserressourcen.

 
Nach einem Frühstück, welches aus Chapatti, gekochter Leber und typischem Afrikanischen Tee besteht, klettern wir ins Auto und fahren los. Die Hügel lassen wir hinter uns befinden uns bald auf einer endlosen Ebene mit Sanddünen und ein paar zerstreuten Büschen. Der Wind bläst unablässig und wir sind bald von einem Staubfilm überzogen. Unterwegs halten wir an und unterhalten uns mit einer Familie welche ihre ganzen Habe auf dem Rücken ihrer Kamele transportiert. Sie kommen vom Norden wo es keine Weidegründe und kein Wasser für ihre Tiere mehr gibt. Obwohl sie da wo sie herkommen als registrierte Einwohner Anspruch auf Nahrungsmittelhilfe haben, hat diese Familie beschlossen weiterzuziehen. Ihre Tiere werden sonst nicht überleben. Sie müssen ihr Glück anderswo versuchen.
 
Gegen Neun treffen wir in Korbesa ein und die Schlachtung ist schon fast vorbei. Ein paar Ziegen wurden noch am Leben gelassen damit wir sehen können wie die Schlachtungen vorgenommen werden. Unser Auto ist kaum zum Stehen gekommen, da sind wir schon von einer Menschenmenge umringt. Sie haben schon auf uns gewartet – die Menschen hier sind dankbar für die Interventionen von VSF-Suisse. Wir werden sofort in den Schlachthof geführt, ein rechteckiges Zementgebäude mit einem Strohdach. Im Gebäude hängen die geschlachteten Ziegen von den Dachbalken und der District Veterinary Officer untersucht die geschlachteten Tiere auf mögliche Krankheiten. Erst wenn er sie untersucht hat kann VSF-Suisse das Fleisch an die Familien verteilen. Heute ist ein guter Tag: kein einziges geschlachtetes Tier wurde zurückgewiesen. Es gab auch schon Tage, da wurden die meisten der geschlachteten Tiere als zu krank für den menschlichen Konsum befunden.
 
Danach werden wir in den Hinterhof geführt. Eine Handvoll Ziegen sind an einen Zaun gebunden. Eine nach der andern werden sie zur Schlachtstelle geführt: ein Graben im Boden umgeben von Zweigen. Dort werden sie von Männern der Gemeinde geschlachtet. Mir ist etwas mulmig bei dem Gedanken, einer Schlachtung beizuwohnen... aber es ist gar nicht so schlimm. Ich hatte eine sehr viel blutigere Szene erwartet. Am meisten hat mich die Farbe des Blutes überrascht: ein leuchtendes Rot. Die geschlachteten Tier werden sofort ausgenommen und die Innereien werden in ein tiefes Loch geworfen um keine Raubtiere anzulocken. Danach werden sie ins Schlachthaus gebracht, aufgehängt und gehäutet bevor der District Veterinary Officer ihre Qualität untersucht.
 
Nach der Schlachtung lädt und der Chief in sein Haus ein. Wir sitzen am Tisch und man serviert uns Ziegenfleisch mit Ugali. Ich atme tief durch... ich glaube nicht, dass ich je frischeres Fleisch gegessen habe.
 
Und dann ist es schon wieder Zeit zu gehen. Morgen werden wir erfahren, was in Zeiten der Dürre mehr Wert hat als Gold. Morgen besuchen wir... eine Wasserstelle. Wir sehen uns dort.

 

zum ersten Eintrag...

zum zweiten Eintrag...

 

Tags: Dürre  Horn von Afrika  VSF-Suisse  Ziegen 
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