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VSF-Suisse hat ein Gesicht: Lernen Sie Kevin Miheso, den Projektverantwortlichen im Südsudan, kennen!

VSF- Suisse, 28.12.2017
 

Kevin ist Kenianer und ist auf einer Farm aufgewachsen, was zu seiner Leidenschaft für Tiere geführt hat und ihn dazu gebracht hat, Veterinärmedizin zu studieren.

 

Wie sieht die Entwicklungshilfe und die Nothilfe in einem Land aus, wo bewaffnete Konflikte und Hungersnot herrschen? Welche sind die Hauptherausforderungen von VSF-Suisse im Südsudan? Die Antworten finden Sie im Interview mit Kevin!

 

Kevin, kannst du uns etwas mehr über dich und deinen Werdegang erzählen? Ich bin Vater, Ehemann, Menschenfreund und Tierarzt. Ich bin im County Vihiga im Westen Kenias geboren, aber zurzeit lebe ich in Nairobi. Ich habe einen Master in Veterinärwissenschaften (Pathologie und Diagnostik) und einen Bachelor in Veterinärmedizin an der Universität von Nairobi in Kenia abgeschlossen. Ich liebe Tiere und dadurch, dass ich auf einer Farm aufgewachsen bin, sind Tiere eine Inspiration für mein Leben und meine Laufbahn geworden.

 

 

Wie ist das Leben im Südsudan? Das Leben im Südsudan ist zugleich interessant als auch kompliziert. Ich habe Menschen aus allen Schichten kennengelernt und mit ihnen zusammengearbeitet, inklusive mit den Begünstigten unserer Programme, was ich sehr bereichernd finde. Dieses Land hat ein grosses Potential und es gibt viele wunderschöne Orte, die ich durch meine Arbeit besuchen durfte. Nicht zu vergessen ist die reiche Kultur, die dieses Land trotz des langanhaltenden Konfliktes besitzt. 

 

Wie bist du zu VSF-Suisse im Südsudan gekommen? Ich habe vorher mit einer südsudanesischen NRO im Bereich Programme und Mittelbeschaffung gearbeitet. Anfang 2016 habe ich mich auf ein Stellenangebot von VSF-Suisse beworben. Ich war hocherfreut, in die engere Wahl gekommen zu sein, habe schliesslich das Vorstellungsgespräch bestanden und wurde angestellt.

 

Erzähle uns über deine Arbeit innerhalb der Organisation. Als Programmverantwortlicher habe ich viele Aufgaben. Unter anderem arbeite ich am Entwurf und der strategischen Weiterentwicklung aller Programme für den Südsudan, ich beteilige mich an Fundraising-Aktivitäten und an der Entwicklung des Programmportfolios. Ich wirke in der Ausarbeitung und der Entwicklung von Konzepten und Projektvorschlägen mit und stelle die Koordination und die Zusammenarbeit zwischen den Teams vor Ort und in den Ländern sicher. Dies schliesst ebenfalls die Vernetzung und Kommunikation mit den Geldgebern und anderen Interessengruppen ein. Ebenfalls bin ich an der Erstellung von wichtigen Geldgeberberichten und an der Budgetüberwachung beteiligt, ich begleite die Projektbeschaffungsprozesse und ich vertrete VSF-Suisse bei wichtigen Treffen. 
 

Das ist beeindruckend! Was motiviert dich, mit NGOs im Südsudan zu arbeiten? Ich glaube an die Idee, eine positive Veränderung im Leben der gefährdeten Bevölkerungsgruppen im Südsudan hervorrufen zu können.

 

Wie sieht ein typischer Arbeitstag für dich aus? Gewöhnlicherweise beginnt der Tag morgens um 8 Uhr und in der Regel stelle ich nach Absprache mit dem Leitungsteam in Juba einen Plan und eine Schwerpunktliste für die Hauptaufgaben des Tages auf. Danach überprüfe ich meine E-Mails und verfolge die dringlichen Fragen, wie z.B. die Zusammenarbeit mit den Teams vor Ort, damit wir unter anderem bezüglich Projektstand und Sicherheit immer auf dem Laufenden sind. Meistens habe ich verschiedene Treffen mit Geldgebern und anderen Interessengruppen. Gegen Ende des Tages schaue ich noch einmal über meine E-Mails und ich verfolge die Tätigkeiten im Bereich Finanzen und Verwaltung weiter. Normalerweise bereite ich mich gegen Ende des Tages auch auf die Berichte über Schlüsselprojekte, auf die Konzeptnotizen und die Entwicklung oder Überprüfung von Projektvorschlägen vor. Meistens arbeite ich bis spät und generell bevorzuge ich, am Abend oder zu einer späten Stunde an Konzeptnotizen und Vorschlägen zu arbeiten, weil meine Konzentration zu dieser Zeit am besten ist.

 

Der Südsudan ist ein Land, das derzeit mit Konflikten und Hungersnöten konfrontiert ist. Kannst du uns erklären, wie unter diesen Umständen die Entwicklungshilfe und die Nothilfe funktionieren? Obwohl das Land mit einem langanhaltenden Konflikt konfrontiert ist, der durch neue Zyklen von Gewalt und Naturkatastrophen noch verschärft wird, finden sowohl Notfall- als auch Entwicklungsprogramme ihren Platz. Die Nothilfe ist wesentlich in Regionen und Staaten, in welchen die Gewalt bestehen bleibt oder sogar zunimmt und welche ebenfalls von Naturkatastrophen geplagt sind, dazu gehören die Regionen Greater Upper Nile, Greater Equatoria und der Westen von Bahr el Ghazal. Unter diesen Bedingungen richten sich die Interventionen vor allem an die am stärksten gefährdeten, von ihrer Heimat vertriebenen Bevölkerungsgruppen, die innerhalb als auch ausserhalb der Flüchtlingscamps Gefahren ausgesetzt sind. Dies rechtfertigt kurzfristige und lebensrettende Interventionen wie die Verteilung von Notfallausstattungen.
 

Die Entwicklungsprogramme finden in relativ stabilen Regionen des Landes, wie z.B. in den ehemaligen Staaten Northern Bahr el Ghazal und Warrap, statt. Diese sind bisher weniger von den Konflikten betroffen, leiden jedoch unter deren Folgen. Diese Regionen haben oft institutionelle Strukturen als Basis, welche rasch in Anspruch genommen und mobilisiert und die Interventionen unterstützt und ergänzt werden können. In der Regel handelt es sich darum, auf den vorhandenen lokalen Kapazitäten und Ressourcen aufzubauen.

 

Kannst uns von einer besonderen Arbeitserfahrung mit VSF-Suisse berichten? Das Verteilen von Hühnern, eine der Aktivitäten des SERACAF Projekts, welches von Unicef finanziert wird [hier können Sie darüber lesen] war eine spezielle Arbeitserfahrung mit VSF-Suisse. Obwohl ich einen soliden Hintergrund habe, viel im Geflügelbereich gearbeitet und geforscht habe, sind zu Beginn des Projektes einige Hühner gestorben. Jedoch haben wir unsere Lektion gelernt und die darauffolgenden Phasen des Projekts waren sehr erfolgreich.

 

 

 

Wir haben wichtige Resultate erzielt, wie die Wiedereingliederung ehemaliger Kindersoldaten in ihre Familien und die Wiederherstellung ihrer Lebensgrundlagen.
Erst vor kurzem hat VSF-Suisse im Landeskreis Jebel Boma im Rahmen des SERACAF-Projektes Hühner verteilt, welche zur Kuroiler-Rasse gehören. Diese Rasse lässt sich leicht an die örtlichen Gegebenheiten anpassen und beginnt schon nach 10 Wochen mit dem Eierlegen, was im Vergleich zu den gewöhnlichen lokalen Hühnern sehr früh ist; diese legen ihre ersten Eier nämlich erst nach fünf Monaten. Wenn sie einmal mit dem Eierlegen beginnen, fahren sie fast zwei Jahre ununterbrochen damit fort. Diese Rasse lebt sehr gut unter den lokalen Bedingungen und ernährt sich unter anderem von Tier- und Pflanzenresten, von Termiten und Pflanzen. Und während die lokalen Hühner ungefähr 40 Eier pro Jahr legen, so legen die Kuroiler in derselben Zeitspanne und unter ähnlichen Bedingungen drei Mal mehr Eier.

Die Verteilung von Hühnern hat also neben der Bereitstellung von tierischem Eiweiß, der Einkommensgenerierung und der Förderung der Geschlechtergleichstellung in diesem Projekt auch eine entscheidende sozioökonomische Rolle.

 

Welches sind die Herausforderungen für VSF-Suisse im Südsudan? Die Mittelbeschaffung ist immer schwierig, vor allem wegen der sich schnell ändernden Rahmenbedingungen und der langanhaltenden Konflikte. Ebenfalls wird der Schwerpunkt der Spenden mittlerweile auf andere Krisen auf der Welt gesetzt, wie die Migration nach Europa, Konflikte in Syrien und Jemen sowie in anderen Ländern.

Was ist der schwierigste Teil an deiner Arbeit und was magst du am meisten? Das Schwierigste ist, weit weg von meiner Familie, welche in Kenia ist, zu arbeiten. Aber ich habe mich damit abgefunden, indem ich dafür sorge, dass ich, wenn immer möglich, meinen Urlaub wie auch meine Freizeit mit ihnen zusammen verbringen kann.
Was ich am meisten mag, sind die Möglichkeiten, die sich bei der Entwicklung von neuen Programmideen und -konzepten bieten. Ich mag auch die Feldbesuche, weil ich dann die Begünstigten treffen und ein Feedback und Informationen aus erster Hand über unsere Programme erhalten kann.
Zum Schluss, was machst du, wenn du nicht arbeitest? Ich mag es sehr, fernzusehen und Musik zu hören, wenn ich nicht arbeite. Gelegentlich gehe ich gerne zum Nil und treffe mich mit Freunden. Ich schaue mir auch gerne Filme, Serien oder Dokumentarfilme an. Ich liebe es auch, Bücher zu lesen, ins Fitnessstudio oder gelegentlich schwimmen zu gehen.
Herzlichen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, unsere Fragen zu beantworten und für die unglaubliche Arbeit, welche ihr täglich im Südsudan ausführt. Wir sind sehr glücklich darüber, dich dabei zu haben! 
 
 
(Interview: Alexandra Breaud)

















 




 



















 

Tags: Afrika  Südsudan 
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