Gesunde Tiere – Gesunde Menschen – Gesunde Umwelt

Vétérinaires Sans Frontières Suisse hat einen kreativen Pioniergeist, den es zu erhalten gilt

Cathy Maret, 30.01.2012

 Seit Anfang Januar hat VSF-Suisse eine neue Geschäftsführerin. Bonny Wilkinson hat letzten Juni bei VSF-Suisse angefangen und übernimmt nun die Zügel der Organisation – mit Zielstrebigkeit und Energie. Auch wenn sie vor der neuen Aufgabe Respekt hat, so freut sich die 34-jährige Frau auch über diese neue Herausforderung und es weht ein neuer Wind bei VSF-Suisse. Lernen Sie sie kennen.

 
Bonny Wilkinson, mit 34 übernehmen Sie das Ruder bei VSF-Suisse. Wie fühlen Sie sich?
 
Auf der einen Seite bin ich mir der Vielfältigkeit und der Komplexität dieser Aufgabe bewusst. Und so gesehen habe ich schon etwas weiche Knie! Aber auf der andern Seite freue ich mich sehr, diese Organisation leiten zu dürfen. Ich bin von der Arbeit von VSF-Suisse im Feld sehr beeindruckt. Ich weiss wie wichtig unsere Interventionen sind und ich weiss auch wo wir uns noch verbessern müssen. Das neue Team ist hervorragend, im Feld wie auch auf der Geschäftsstelle in Bern. Mit unseren neuen Mitarbeiterinnen Nicole Litschgi und Bernadette Dürig bilden wir ein super Team. Wir sind bereit, uns den Herausforderungen zu stellen!
 
Was war Ihre erste Begegnung mit Afrika?
 
Damals habe ich als Programmassistentin beim Schweizerischen Roten Kreuz gearbeitet. Ich wurde auf Mission in den Tschad geschickt. Das war das erste Mal, dass meine Füsse afrikanischen Boden berührten. Es war kurz vor der Regenzeit und die Hitze war unerträglich. Im Büro vor Ort fand ich uralte Computer vor, welche unter dem Staub schier erstickten und die Stromausfälle konnte man nicht mehr zählen... Wir sind durch die Wüste gefahren, 1000km Piste in einem Landcruiser um in einem Regionalspital anzukommen. Ich brachte eine Schachtel Glühbirnen für den Operationssaal mit. Der Anästhesist hat mich vor lauter Freude 30 cm in die Luft gehoben, so glücklich war er über die Glühbirnen. Glühbirnen für 2 Franken das Stück... Die Erfahrungen dieser Mission haben mich sehr geprägt. Ich war gerade mal 22 Jahre alt, aber ich wusste, dass ich für Afrika arbeiten wollte.
 
Warum Afrika?
 
Ich war schon als kleines Kind von diesem Kontinent fasziniert, ein bisschen als hätte ich afrikanisches Blut in mir. Als ich etwa 10 Jahre alt war haben wir in der Schule über Afrika gesprochen. Nelson Mandela, die Apartheid, die Geschichte dieses Landes hat das Mädchen, das ich war berührt. Ich ertrug die Ungerechtigkeit nicht und dieses Land erfuhr sie auf ihrem Höhepunkt.
 
Nach dem Tschad, haben Sie andere Missionen nach Afrika unternommen?
 
Ich war auch in Ghana, ein ganz anderes Land als der Tschad: viel grüner, viel lauter, viel farbiger. Aber die Gefühle sind dieselben: die Freude die Wirkung unserer Hilfe vor Ort zu sehen, mit eigenen Augen zu sehen, wie die Hilfe das Leben der Menschen verbessert. Ich erinnere mich, dass wir in Ghana ein Strassenkinderprojekt besucht haben welches das Schweizerische Rote Kreuz damals unterstützte. Die Mädchen lebten auf der Strasse unter schrecklichen Bedingungen und das Projekt klärte sie unter anderem über HIV auf. Abends wäre ich dann zu einem Champagnerempfang in einem Luxushotel der Stadt eingeladen gewesen. Ich konnte nicht hin. Einfach so von der Misere ins 5-Sternhotel, diesen Sprung schaffte ich nicht. Der Schock war zu gross. Seit damals habe ich zum Glück, oder Unglück, gelernt, Distanz zwischen der Realität der Begünstigten von Hilfsprogrammen und der Realität der Delegierten der Entwicklungszusammenarbeit aufzubauen.
 
Nach dem Schweizerischen Roten Kreuz haben Sie an der University of Sussex in Brighton, England studiert. Mit einem Master in zeitgenössischen Kriegs- und Friedensstudien sind Sie mit dem UN Entwicklungsprogramm nach Rwanda gegangen um ein Justizprogramm zu leiten. Was bleibt Ihnen von dieser Zeit?
 
Nach meinen Erfahrungen beim Schweizerischen Roten Kreuz wollte ich meine Kenntnisse mit einem universitären Abschluss in Entwicklungszusammenarbeit ergänzen und vertiefen. Ich wollte auch meine väterlichen Wurzeln besser kennenlernen und bin deshalb für 5 Jahre nach England gegangen. Danach bin ich für die UNO nach Rwanda gegangen; Entwicklungsarbeit auf einem politischeren Niveau als das was ich vom Roten Kreuz kannte. Die UNO leistet sehr wichtige Arbeit, aber mir gefiel sie weniger. Ich muss nahe an der Basis arbeiten, fühlen, wie mein Beitrag täglich etwas zur Verbesserung beiträgt. So weiss ich, dass wenn ich an meinem Pult einen Projektantrag schreibe, dieser das Leben der Menschen direkt beeinflussen wird. Und dies ist der Grund warum mich Vétérinaires Sans Frontières Suisse interessiert.
 
Was gefällt Ihnen an der Arbeit von VSF-Suisse?
 
Da ist eben genau dieses Element, dass wir das tägliche Leben der Menschen positiv beeinflussen, und dass unsere Interventionen nachhaltig sind. Wenn wir mit unseren Projekten die nötige Starthilfe geben, können die Projekte danach selbständig weiterbestehen. Wir arbeiten eng mit den Begünstigten unserer Projekte zusammen. Sie werden uns im Feld nicht als Retter aus einer andern Welt kennenlernen, wir sind Partner. Dies auch weil unsere Projekte im Ansatz simpel und mit relativ einfachen Mitteln umsetzbar sind; und weil wir mit und nicht nur für die lokale Bevölkerung arbeiten.
 
Welche Herausforderungen erwarten Sie bei VSF-Suisse?
 
Wir haben eine widersprüchliche Position. Auf der einen Seite sind wir die einzige Organisation in der Schweiz, welche sich ausschliesslich im Nutztierbereich engagiert, also der Hilfe an Menschen deren Lebensgrundlage von Nutztieren, und somit der Tiergesundheit, abhängig ist. Dies ist eine sehr wichtige Nische. Auf der andern Seite sind wir eine kleine Organisation und wir haben nicht die mediale Schlagkraftunserer grossen Brüder und Schwestern. Es ist für uns schwieriger an Spenden zu kommen und das macht uns zerbrechlich. Wir müssen unsere Eigenmittel stärken, um die Organisation zu stärken. Und dann muss man auch ganz klar sagen, bei der Projektumsetzung im Feld sind wir stark, die Ebenen Administration und Management hingegen haben da zeitweise hinterhergehinkt. Wir müssen uns professionalisieren, das Management verbessern um in unserer Arbeit effizienter zu werden. Diese Arbeit hat schon begonnen und wir sind auf gutem Weg. VSF-Suisse hat sich immer durch eine hohe Kreativität in seinen Projekten ausgezeichnet. Nehmen wir zum Beispiel die soziale Wiedereingliederung von ehemaligen Kindersoldaten mittels Ziegenzucht: das ist eine geniale Idee. Dieser kreative Geist ist unser Markenzeichen. Und darauf müssen wir uns berufen um eine neue Zukunft aufzubauen.
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