Liebe VSF-Unterstützerin, lieber VSF-Unterstützer

Mein Name ist Sara Imbach und ich bin bei VSF-Suisse Programmmitarbeiterin für den Südsudan. Heute möchte ich Ihnen am Beispiel eines unserer Projekte die Wichtigkeit von Bildung aufzeigen. In den letzten Wochen haben wir ja auch in der Schweiz gespürt, was für eine grosse Rolle es spielt, dass Kinder in die Schule können. Bildung und Ausbildungen sind deshalb auch bei VSF-Suisse zentraler Bestandteil unserer Arbeit.

Dies kommt vor allem im Zusammenhang mit dem Ansatz der Hilfe zur Selbsthilfe zum Zug, in welchem durch Bildung und den Transfer von Wissen Fähigkeiten vermittelt werden. Nur so können wir Bevölkerungsgruppen nachhaltig dazu befähigen, ihre Lebensgrundlagen zu verbessern und ihren Lebensunterhalt selbst sichern zu können.

Sara Imbach, Programmmitarbeiterin VSF-Suisse 

Über die „Global Action Week for Education“

Der Zugang zu Bildung ist ein Menschenrecht. Seit 2003 findet die Global Action Week for Education jeden April unter der Leitung der Global Campaign for Education, die sogenannte Global Action Week for Education statt. Die Global Campaign for Education (GCE) ist eine gesellschaftliche Bewegung mit der Vision die globale Bildungskrise zu beenden. Ziel dieser Woche ist es jedes Jahr ein aktuelles Thema im Bereich der Bildung in den Mittelpunkt zu stellen und Regierungen auf dieses aufmerksam zu machen.
Im Zusammenhang mit der Woche greifen wir das Thema aus Sicht von VSF-Suisse auf. Unser Beispiel heute ist das VSF-Suisse Projekt SERACAF im Südsudan.

Hintergrund Projekt SERACAF

Von 2013 bis 2018 tobte im Südsudan jahrelang ein blutiger Bürgerkrieg. Er ist seit 2018 offiziell beendet, der Südsudan ist aber seither nicht vollständig zur Ruhe gekommen.

Allein im Südsudan wurden schätzungsweise seit Beginn des Krieges 19’000 Kindersoldaten rekrutiert. UNICEF setzt sich weltweit dafür ein, Rekrutierungen von Kindersoldaten zu beenden. Seit 2013 ist es auf Initiative von UNICEF und lokalen Behörden im Südsudan gelungen, mehrere tausend Kinder, welche von Streitkräften und bewaffneten Gruppierungen festgenommen wurden, freizulassen. Dieses Ereignis hat den Weg freigemacht für Wiedereingliederungsprogramme für sie.

Der Prozess der Wiedereingliederung

Kindersoldaten erleben während ihrem Einsatz oft traumatische Erlebnisse. Sie werden gezwungen, ihre Kindheit hinter sich zu lassen und stattdessen in den Krieg zu ziehen, zu kämpfen und zu töten. Manche von ihnen werden auch vergewaltigt. Ein Bericht von UNICEF „The Cost of rescuing children from armed groups“ gibt uns einen Einblick in das Leben der ehemaligen Kindersoldatin Margret. *Name geändert.

Nach ihrer Befreiung durch Organisationen wie UNICEF beginnt erst die eigentliche Herausforderung. Sozialarbeiter spielen hier eine entscheidende Rolle – sie entwickeln mit den Kindern individuelle Pläne, um ihnen psychologisch, aber auch in Bezug auf Berufsausbildungen zu helfen. 

VSF-Suisse organisiert im Projekt SERACAF als Teil dieser Aktivitäten Schulungen zur Reintegration von betroffenen Kindern. Ein Teil des Projektes SERACAF besteht ausserdem, die Bevölkerung für Kinderrechte zu sensibilisieren.

Zwei ehemalige Kindersoldaten bei ihrer Familie in Leer (Südsudan) ©  Tom Martin 

VSF hat dazu Workshops zum Thema Kinderschutz organisiert. Thematisiert wurden beispielsweise die Rolle von Ortsgemeinschaften, die Verantwortung der Eltern, aber auch Risiken bei Rekrutierungen von Kindersoldaten. Die Wiedereingliederung ehemaliger Kindersoldaten in ihre Dorfgemeinschaften ist ein schwieriger Prozess – er sollte jedoch bestmöglich unterstützt werden.

Südsudan, Februar, 2018:
Durch den Einsatz und Verhandlungen von UNICEF gelang es der Organisation die Freilassung von über 300 Kindersoldaten  zu erwirken. 

Was Bildung im Südsudan bewirken kann

Wegen des Krieges mussten zwei Millionen der insgesamt rund 12,5 Millionen Einwohner des Landes vor gewalttätigen Auseinandersetzungen aus ihrer Heimatregion fliehen und die Felder, die sie bisher bewirtschaftet hatten, sowie oft auch ihre Tiere zurücklassen.

«Im Südsudan ist die Tierhaltung die wichtigste Lebensgrundlage der Bevölkerung, doch interne Konflikte, die das Land seit Jahren heimsuchen, ziehen auch Ackerbau und Viehzucht stark in Mitleidenschaft.»

Aufgrund dieser Notsituation wurden im Rahmen des Projekts benachteiligte Kinder in der Viehzucht geschult und wir verteilten Schafe und Ziegen an ihre Familien. Diese Massnahme zielte auf die Verbesserung der Nahrungsmittelsicherheit und Existenzgrundlagen der Familienhaushalte ab.

Ehemalige Kindersoldaten erhielten nach ihrer Befreiung neue Lebensaufgaben. VSF-Suisse hat Kinder darin unterstützt eine dreimonatige Berufsausbildung zu absolvieren. Wir unterstützten sie insbesondere finanziell, aber auch in logistischer Hinsicht, denn die Kurse fanden in für die Kinder entlegenen Schulungszentren in der Stadt Juba statt.

Die Wiedereingliederung der Kinder in die Gemeinschaften verhinderten erneute Rekrutierungen. Kinder, die nicht zur Schule gehen, gelten als gefährdeter für Rekrutierungen. Sie stammen aus ärmeren Bevölkerungsschichten mit wenig bis gar keinen Bildungsmöglichkeiten. Der Krieg erscheint ihnen daher als Chance, ihre Existenz zu sichern.

A cattle camp at dawn near Leer, Unity State, South Sudan.

Das Projekt SERACAF zeigt wie wichtig Bildung sein kann. Sie nimmt eine bedeutende Rolle in Wiedereingliederungsprogrammen ein. Kinder können durch Hilfe wieder zurück in das gesellschaftliche Leben begleitet werden, erhalten einen strukturierteren Alltag, berufliche Perspektiven und gleichzeitig Mittel, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit diesem Bericht aufzeigen, wie wesentlich Bildung in unserer Projektarbeit ist – sie stärkt die Menschen und ihre Lebensgrundlagen, für gesunde und starke Gemeinschaften.

Vielen Dank, dass Sie VSF-Suisse unterstützen und unsere Arbeit für Menschen und Tiere ermöglichen.

Herzlich,