- Hallo Sidi! Können Sie uns etwas über Ihren Hintergrund erzählen?
Mein Name ist Sidi Takiou und ich komme aus Asongo in der Region Gao an der Grenze zwischen Mali und Niger. Ich habe in dieser Region die Grundschule und anschliessend das Gymnasium Yana Maïga besucht. Danach bin ich an die Skriabin-Tierärztliche Akademie in Moskau, Russland, gegangen, um Zootechnie zu studieren. Da ich aus einer Familie von Viehzüchtern stamme, interessiere ich mich seit meiner Kindheit für Tiere.
1992 kehrte ich dann nach Mali zurück und begann meine berufliche Laufbahn bei nationalen und internationalen Nichtregierungsorganisationen im Bereich der Viehzucht als Experte für nomadische Weidewirtschaft.
- Was hat Sie zu VSF-Suisse geführt?
Der Ansatz von VSF-Suisse mit Fokus auf die nomadische Weidewirtschaft passten perfekt zu mir. Besonders motiviert hat mich die Einbindung der direkt Gemeinschaften in die Projekte. Mein Ziel war es, die Beteiligung der Gemeinschaften noch mehr zu fördern, damit sie einen grösseren Nutzen aus der Viehzucht ziehen, gemeinsame Weideflächen besser bewirtschaften und zur Lösung lokaler Konflikte beitragen können.
Ich begann meine Arbeit bei VSF-Suisse im Jahr 2017 im Rahmen des Programms zur Unterstützung der Viehzucht in Mali (PASEM Phase I), das in den nördlichen Regionen (Mopti, Gao, Timbuktu) in Zusammenarbeit mit HELVETAS Swiss Intercooperation durchgeführt wurde.
- Nun, da Sie in den Ruhestand gehen, welche Erinnerungen behalten Sie an Ihre Zeit bei VSF-Suisse?
Ich habe sehr gute Erinnerungen daran. Es herrscht ein starker Teamgeist: Wir verfolgen die Ziele, die wir uns gesetzt haben, geben uns gegenseitig Ratschläge, helfen einander und erreichen tatsächlich etwas.
- Was waren Ihre Hauptaufgaben bei VSF-Suisse?
Ich war Berater für nomadische Weidewirtschaft im Rahmen des PASEM-Projekts (Phase 1). Ich leistete beratende Unterstützung bei der Ausarbeitung von Weidebewirtschaftungsplänen und der Aufwertung von Weideflächen, einschliesslich Fragen der Gerechtigkeit, der Stärkung der Akteure im Bereich der nachhaltigen Bewirtschaftung natürlicher Ressourcen, der Konfliktprävention, der Anpassung an den Klimawandel und der Stärkung der Strukturierung und Funktionsweise von Weideorganisationen in den Regionen Mopti, Gao und Timbuktu. Anschliessend war ich involviert in das Aktionsforschungsprojekt „Hydroponisches Futter” in der Region Mopti. Das Projekt war ein grosser Erfolg, die Gemeinschaften haben sich gut organisiert. Einige Personen waren für die Parzellen verantwortlich. Wir haben eine Art Vereinbarung getroffen und konnten dieses Gras anbauen. Viele andere Dörfer haben sich von unserer Erfahrung inspirieren lassen!
Ich war auch Nexus-Berater für das Projekt „Ensemble-espérons“ im Dreiländereck Mali, Burkina Faso und Niger. Wir waren in einer wirklich instabilen Region tätig, in der es bewaffnete Gruppen gibt. Das Projekt bestand aus zwei Komponenten: humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit. Durch die humanitären Aktivitäten und die konfliktsensiblen Managementmethoden konnten wir Vertrauen bei der lokalen Bevölkerung aufbauen. In einem zweiten Schritt konnten wir dann die Infrastruktur ausbauen. Wir haben eine Kartografie der Akteure erstellt und uns mit den Konflikten auseinandergesetzt, um uns an den konfliktreichen und fragilen Kontext anzupassen.
- Was waren die grössten Herausforderungen in Ihrer täglichen Arbeit?
Anfangs war es schwierig, dieses Vertrauen zwischen den Bevölkerungsgruppen aufzubauen und die nomadischen Gemeinschaften in die zentralisierten landwirtschaftlichen Kreisläufe in den fragilen Gebieten zu integrieren. Die einheimische Bevölkerung verstand beispielsweise nicht, warum wir uns für intern Vertriebene stark machte. Meiner Meinung nach muss man mit der Bevölkerung in Kontakt stehen, vor Ort sein und mit der Gemeinschaft diskutieren, um Lösungen zu finden. Dieser Ansatz hat mich bei VSF-Suisse immer sehr beeindruckt!
- Können Sie eine Leistung teilen, auf die Sie besonders stolz sind?
Im Dreiländereck nutzen die Menschen weiterhin die von uns eingeführten Massnahmen! Die einheimische Bevölkerung lebt friedlich mit den Geflüchteten zusammen. Sie entwickeln gemeinsam einkommensschaffende Aktivitäten wie die Produktion und Vermarktung von Milch und verbessern die eigenen Lebensbedingungen.
- Was sind Ihre Pläne für Ihren Ruhestand?
Offiziell bin ich im Ruhestand, aber in Wirklichkeit teile ich meine Erfahrungen weiterhin sehr gerne mit anderen. Ich möchte nicht mit dem, was ich gelernt habe, sterben. Es ist also nicht wirklich Ruhe bei mir!
- Zum Schluss, was ist Ihr Lieblingstier?
Wiederkäuer: Kühe, Ziegen, aber vor allem Schafe! Ich habe zu Hause vier Schafe.
Danke für Ihr Engagement in den letzten acht Jahren und alles Gute für die Zukunft!

