Hallo Amal, erzähl uns ein wenig über dich.
Ich heisse Amal Ibrahim und bin in Gode City in der Somali-Region Äthiopiens geboren und aufgewachsen. Dort habe ich meine Schulzeit verbracht. Später studierte ich an der Universität Jijiga Lebensmittelwissenschaft und Ernährung und absolvierte zusätzlich einen Master in Public Health. Bevor ich zu VSF-Suisse kam, arbeitete ich als Dozentin, im Gode Hospital und für verschiedene andere Organisationen.
Was hat dich motiviert, bei VSF-Suisse einzusteigen?
Ich bin 2024 als Gender- und One-Health-Officer zu VSF-Suisse gekommen. Besonders angesprochen hat mich, dass hier Geschlechtergerechtigkeit nicht isoliert betrachtet wird, sondern fest in den One-Health-Ansatz eingebettet ist. Das gibt mir die Möglichkeit, mein Fachwissen aus verschiedenen Bereichen miteinander zu verbinden und die Gemeinschaft ganzheitlich zu unterstützen.
Welche Herausforderungen begegnest du in deiner Arbeit?
Zu Beginn war es nicht einfach, der Bevölkerung Themen wie One Health, Geschlechtergerechtigkeit oder Chancengleichheit näherzubringen. Traditionelle Rollenbilder sind tief verwurzelt und es brauchte Zeit, bis die Menschen verstanden haben, wie stark diese Bereiche miteinander verbunden sind.
Hinzu kommt die derzeit schwierige internationale Finanzierungslage, die unsere Arbeit immer wieder herausfordert.
Gibt es ein Projekt oder Ergebnis, auf das du besonders stolz bist?
Ja, auf unsere Arbeit in der Shebelle-Zone. Es war das erste VSF-Suisse-Projekt in dieser Region und wir konnten dort viel bewegen. Besonders stolz bin ich auf meinen Beitrag zur Planung der One-Health-Unit und des neuen Nursery Centers in Kabbala.
Ich habe Interviews, Workshops und Befragungen durchgeführt, um besser zu verstehen, welchen Hürden Frauen beim Zugang zu Gesundheits- und Umweltpraktiken begegnen. Diese Stimmen ernst zu nehmen und in die Planung aufzunehmen, war mir sehr wichtig. Heute verdienen viele dieser Frauen eigenes Einkommen und stärken damit sich und ihre Familien.
Auch die Trainings für Partnerorganisationen und die Gemeinde gehören für mich zu den schönsten Momenten, weil sie zeigen, wie Wissen Wirkung entfalten kann.
Wie würdest du das VSF-Suisse-Team in Äthiopien beschreiben?
Wir arbeiten in Addis Abeba und im Feldbüro Gode sehr eng zusammen. Das Team ist engagiert, hilfsbereit und flexibel. Wir unterstützen uns gegenseitig und versuchen gemeinsam, eine starke Verbindung zwischen der Organisation und den Gemeinden zu schaffen. Ich fühle mich bei VSF-Suisse ernst genommen und wertgeschätzt.
Was wünschst du dir für deine berufliche Zukunft?
Ich möchte mich noch stärker für die Rechte von Frauen und Pastoralistinnen einsetzen und mein Wissen in Bereichen wie Sozialmarketing, Umwelt und wirtschaftlicher Entwicklung erweitern.
Und was machst du gern in deiner Freizeit?
Ich lese viel im Koran und verbringe viel Zeit mit meiner Familie, besonders mit meiner Mutter. Ausserdem liebe ich Gespräche mit älteren Menschen. Sie geben mir neue Perspektiven und inspirieren mich sehr.
Zum Schluss: Was ist dein Lieblingsessen?
Definitiv somalischer Reis mit Fleisch, frischem Gemüse und Bananen.

