Früh am Morgen in Mataya öffnet Katcha Kodbe eine kleine Metallkiste. Darin befinden sich Impfstoffe, einfache Diagnoseinstrumente und Verbandsmaterial. Noch vor einem Jahr hätte sie sich nicht vorstellen können, Tiere zu behandeln und somit Krankheitsausbrüche zu verhindern. Heute gehört sie zu den ersten Community-Based Animal Health Workers (CAHWs), die im Rahmen des neuen Engagements von VSF-Suisse im Tschad ausgebildet wurden.
Ihre Geschichte steht exemplarisch für einen grösseren Wandel. VSF-Suisse ist nun offiziell im Tschad tätig – einem Land, in dem über 40 Prozent der Bevölkerung von der Tierhaltung leben, gleichzeitig aber mit extrem schwierigen Bedingungen im Sahel konfrontiert sind.
Warum der Tschad?
Der Tschad verfügt über einen der grössten Nutztierbestände weltweit. Gleichzeitig stehen die pastoralistischen Gemeinschaften vor wachsenden Herausforderungen
- Wasserstellen trocknen mit jedem Jahr noch früher aus
- Tierkrankheiten breiten sich ohne tierärztliche Versorgung rasch aus
- Extreme Klimabedingungen zwingen Wanderhirten zu immer längeren und riskanteren Wanderungen
- Konflikte um Land und Wasser nehmen zu
- Hunderttausende Geflüchtete erhöhen den Druck auf ohnehin fragile Ressourcen
Genau hier setzt die Arbeit von VSF-Suisse an. Mit über 35 Jahren Erfahrung in der Zusammenarbeit mit pastoralistischen Gemeinschaften in Afrika bringen wir tiermedizinisches Fachwissen, Resilienzförderung und praxisnahe Unterstützung dorthin, wo Menschen existenziell auf gesunde Nutztiere angewiesen sind.
Was unsere Präsenz im Tschad konkret bedeutet
Unsere erste Intervention startete im vergangenen Jahr in der Region Guéra, in Partnerschaft mit SWISSAID. Ziel ist es, die Widerstandsfähigkeit der Gemeinschaften zu stärken und Spannungen rund um knappe Ressourcen zu reduzieren.
Konkret tun wir dies durch:
- den Bau von pastoral genutzten Brunnen zur Sicherung des Zugangs zu Wasser
- den Aufbau von Futterbanken zur Überbrückung kritischer Trockenzeiten
- die Ausbildung lokaler Tiergesundheitshelfer:innen (CAHWs) zur Diagnose, Behandlung und Meldung von Krankheiten
- die Stärkung lokaler Strukturen, damit Gemeinschaften langfristige Lösungen selbst gestalten können
Kurz gesagt: VSF-Suisse bringt praxisnahe tiermedizinische und pastoralistische Expertise in ein Land, das dringend auf nachhaltige, lokal verankerte Unterstützung angewiesen ist.

Wie unsere Arbeit wirkt: Die Geschichte von Katché Kodbe
Katché Kodbe, 40 Jahre alt, wurde von ihrer Gemeinschaft für die Ausbildung zur Tiergesundheitshelferin ausgewählt. Zuvor fühlte sie sich oft machtlos, wenn Tiere erkrankten und Familien ihre Einkommensgrundlage verloren. Heute behandelt sie Nutztiere, impft Herden und erkennt Krankheiten frühzeitig.
Sie arbeitet eng mit der lokalen NGO APESA sowie mit den staatlichen Veterinärdiensten zusammen und meldet Verdachtsfälle von Krankheitsausbrüchen. Katché Kodbe erwirtschaftet heute ein eigenes Einkommen, geniesst hohes Ansehen in ihrer Gemeinschaft – und ihre Arbeit schützt sowohl die Tiere als auch die Familien, die von ihnen leben.
Ihr Wirken stärkt eine ganze Gemeinschaft. Und genau das ist das Ziel von VSF-Suisse im Tschad: lokale Kompetenzen aufbauen, Wissen verankern und langfristige Resilienz fördern.

