Am 11. März 2026 trafen sich Mitglieder des Schweizer Parlaments in Bern zu einer Informationsveranstaltung des Landwirtschaftlichen Klubs der Bundesversammlung und der Parlamentarischen Gruppe Internationale Zusammenarbeit. Im Zentrum stand die Rolle der Weidewirtschaft für die globale Ernährungssicherheit und die Widerstandsfähigkeit ländlicher Gemeinschaften – mit Blick auf dad Internationale Jahr der Weiden und Hirten 2026 der UN.

Dr. Hans Wyss, Präsident von Vétérinaires Sans Frontières Suisse berichtete dabei aus seiner Erfahrung vor Ort und zeigte auf, wie von der Schweiz unterstützte Programme dazu beitragen, die Lebensgrundlagen pastoraler Gemeinschaften am Horn von Afrika zu stärken.

Wenn Tiergesundheit Lebensgrundlagen sichert

Für pastorale Gemeinschaften sind Nutztiere weit mehr als Besitz, sondern die Grundlage von Ernährung, Einkommen und sozialer Sicherheit – besonders in Regionen, in denen andere Formen der Landwirtschaft kaum möglich sind.

Genau hier setzt die Arbeit von VSF-Suisse an. Mit dem One-Health-Ansatz werden die enge Verbindung zwischen der Gesundheit von Menschen, Tieren und Umwelt berücksichtigt. Wenn veterinärmedizinische Dienstleistungen auch abgelegene Regionen erreichen, können Familien ihre Herden schützen und ihre Existenz sichern.

Wie Dr. Wyss betonte, hat diese Arbeit auch eine globale Dimension: Werden Tierseuchen dort bekämpft, wo sie entstehen, lässt sich ihre Ausbreitung über Landesgrenzen hinweg eindämmen – auch nach Europa.

VSF-Suisse konzentriert sich deshalb gezielt auf die „letzte Meile“: Regionen, in denen der Zugang zu veterinärmedizinischen und gesundheitlichen Dienstleistungen besonders eingeschränkt ist. Dass diese Arbeit einen konkreten Unterschied macht, hat Dr. Wyss bei zahlreichen Projektbesuchen selbst erlebt.

Weltweit ist die Weidewirtschaft für Millionen Menschen eine zentrale Lebensgrundlage. Schätzungen zufolge leben 200 bis 500 Millionen Menschen von der Tierhaltung in Weidesystemen – häufig in Regionen, in denen Ackerbau kaum möglich ist.

Das HEAL-Programm: Schweizer Engagement mit grosser Wirkung

Ein Beispiel für diesen Ansatz ist das Programm HEAL – One Health for Humans, Environment, Animals and Livelihoods, das in Äthiopien, Kenia und Somalia umgesetzt wird.

Zwischen 2020 und 2024 investierte die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) 4,85 Millionen Schweizer Franken in das Programm. Diese Mittel mobilisierten fast den gleichen Betrag von weiteren Partnern und erhöhten das Gesamtvolumen auf 9,83 Millionen Franken. Jeder investierte Franken löste damit zusätzliche Mittel für die Umsetzung aus.

Über integrierte One-Health-Einheiten erhalten Gemeinschaften Zugang zu tierärztlichen Dienstleistungen, medizinischer Versorgung und Unterstützung beim Management von Weideflächen – gebündelt an einem Ort. So gelangen wichtige Dienstleistungen direkt zu pastoralen Gemeinschaften, die oft weit von bestehenden Gesundheitssystemen entfernt leben.

Bis heute konnten mehr als 105 000 Menschen über das Programm Zugang zu integrierten Gesundheitsdiensten erhalten.

Resilienz auch in Krisenzeiten

Wie entscheidend dieser Ansatz ist, zeigte sich während der schweren Dürre am Horn von Afrika im Jahr 2023.

Dank eines von der DEZA unterstützten Krisenmechanismus erhielten über 4 400 besonders gefährdete Haushalte rasch Unterstützung – darunter Bargeldtransfers, Tierfutter, veterinärmedizinische Medikamente sowie wichtige Gesundheits- und Hygieneartikel.

Die frühzeitige Hilfe ermöglichte es vielen Familien, ihre Zuchttiere zu erhalten und die Milchproduktion aufrechtzuerhalten – ein entscheidender Faktor für Ernährung und Einkommen in pastoralen Haushalten.

Der Krisenmechanismus wird auch weiterhin eingesetzt: Da für 2026 erneut Dürrebedingungen in der Region prognostiziert werden, können Partnerorganisationen so schnell auf neue Bedürfnisse reagieren.

Gleichzeitig stärkt das Programm langfristig die Widerstandsfähigkeit der Regionen, etwa durch ein verbessertes Management von Weideflächen und eine intensivere Zusammenarbeit über Landesgrenzen hinweg.

Mit Blick auf das Internationale Jahr der Weiden und Hirten 2026 zeigen die Erfahrungen aus dem HEAL-Programm, wie gezielte Investitionen in pastorale Regionen nachhaltige Wirkung entfalten können – für Menschen, Ökosysteme und die globale Ernährungssicherheit.

Wie Dr. Wyss es an der parlamentarischen Veranstaltung zusammenfasste:

„Entwicklungszusammenarbeit in pastoralen Regionen ist Prävention – nicht Wohltätigkeit.“

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