Was Kamelmilch und weibliche Führung verbindet

Was haben die Kamelmilchproduktion in Kenia und die Förderung von Frauen in Führungspositionen bei VSF-Suisse gemeinsam? Für Genevieve Owuor einiges.
Genevieve, eine unserer dienstältesten Kolleginnen in Kenia, leitete das Projekt Drought Resilience in Isiolo County (DRIC). Dabei unterstützte sie Frauen, Einkommen rund um die Kamelmilchproduktion aufzubauen, die Ernährung ihrer Familien zu verbessern und ihr Einkommen zu steigern.
Heute ist sie zudem eine der treibenden Kräfte hinter dem Gender & Balance Action Plan von VSF-Suisse. Dieser will Chancengleichheit fördern, Hürden abbauen und mehr Frauen dabei unterstützen, in der gesamten Organisation Führungsrollen zu übernehmen.
In diesem Interview spricht Genevieve über die Mentorin, die ihre Karriere geprägt hat, und darüber, warum sie sich wünscht, dass mehr Frauen die Möglichkeit erhalten, in ihre Fussstapfen zu treten.
Wie hat Ihre Arbeit mit den Kamelmilchproduzentinnen in Isiolo Sie persönlich geprägt und Ihr Engagement für den Gender & Balance Action Plan beeinflusst?
2008 begann VSF-Suisse, mit Frauen zusammenzuarbeiten, die auf den Strassen von Isiolo Kamelmilch verkauften. Ab 2009 unterstützte ich sie beim Aufbau der späteren Anolei Women Camel Milk Cooperative Society. Wir boten Schulungen in Milchhygiene, Verarbeitung, Genossenschaftsführung und Marketing an und halfen den Frauen, neue Absatzmärkte zu erschliessen. Anolei begann mit 30 Frauen und 300 Litern Milch pro Tag. Heute verkaufen die 40 aktiven Mitglieder täglich rund 7000 Liter nach Nairobi.
Den Frauen fehlte es weder an Fähigkeiten noch an Entschlossenheit. Sie brauchten vor allem Unterstützung, tragfähige Strukturen, Netzwerke und Zugang zu neuen Möglichkeiten. Das gilt auch für Frauen bei VSF-Suisse: Sie brauchen ein Umfeld, in dem ihre Fähigkeiten erkannt und gefördert werden und sie die Chance erhalten, sich beruflich weiterzuentwickeln und Führungsverantwortung zu übernehmen.
Was hat dich persönlich dazu bewegt Teil des Gender & Balance Action Plan von VSF-Suisse zu werden?
In den Gemeinschaften, mit denen wir zusammenarbeiten, leisten Frauen einen wichtigen Beitrag zur Tierhaltung und Milchproduktion. Wenn es aber darum geht, über Land, Ressourcen oder den Verkauf ihrer Produkte zu entscheiden, haben sie oft wenig mitzureden. Auch in Entwicklungsorganisationen gibt es solche Ungleichheiten: Viele Frauen leisten wertvolle Arbeit, doch nur wenige schaffen es in Führungspositionen. Mit dem Gender & Balance Action Plan möchte ich dazu beitragen, das zu ändern.
Gab es eine Frau oder ein Erlebnis in deiner Laufbahn, das dich besonders geprägt hat?
Im Laufe meiner Karriere habe ich Dr. Rachael Masake kennengelernt, eine Tierärztin, die meine Mutter sein könnte und bis heute als Beraterin arbeitet. Als ich einmal darüber nachdachte, VSF-Suisse zu verlassen, hat sie mir sehr geholfen. Sie hat mich immer ermutigt und ist bis heute ein grosses Vorbild für mich.
Durch sie habe ich erlebt, wie viel es ausmacht, wenn jemand an dich glaubt, dir mit Rat und Tat zur Seite steht und dir zeigt, was möglich ist.
Du setzt dich besonders für Mentoring und weibliche Vorbilder ein. Warum ist dir das so wichtig?
Vieles, was man für die eigene Karriere braucht, lernt man nicht in einer Ausbildung. Zum Beispiel, wie man sich Gehör verschafft, Chancen erkennt, verhandelt oder damit umgeht, als einzige Frau am Tisch zu sitzen. Solche Erfahrungen werden oft im persönlichen Austausch weitergegeben.
Wer keine entsprechenden Kontakte hat, muss vieles selbst herausfinden. Ich wünsche mir, dass Frauen bei VSF-Suisse schon früh in ihrer Laufbahn Menschen an ihrer Seite haben, die ihre Erfahrungen teilen, sie beraten und ermutigen.
Was möchtest du mit dem Gender & Balance Action Plan bei VSF-Suisse verändern?
Ich wünsche mir, dass der Plan nicht einfach ein Dokument bleibt, das wir einmal im Jahr hervorholen, sondern dass wir ihn im Arbeitsalltag leben. Frauen sollen bei VSF-Suisse wissen, welche Entwicklungsmöglichkeiten sie haben, auf Unterstützung zählen können und die gleichen Chancen bekommen, Führungsverantwortung zu übernehmen.
Was möchtest du den Frauen bei VSF-Suisse mit auf den Weg geben?
Eure Erfahrungen, euer Wissen und eure Sichtweisen sind wertvoll. Traut euch, eure Meinung einzubringen und Verantwortung zu übernehmen. Fragt nach Möglichkeiten, euch weiterzuentwickeln, holt euch Feedback und scheut euch nicht, um Unterstützung zu bitten.
Und wenn ihr selbst Erfahrungen gesammelt habt, gebt sie an andere Frauen weiter. Unterstützt euch gegenseitig und öffnet anderen Türen. So können wir es den Frauen, die nach uns kommen, ein Stück leichter machen.
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