Acht Prinzipien für den Ernstfall

In Akobo und anderen Teilen des Südsudan gehören Krisen für viele Menschen zum Alltag. Für Familien, die von ihren Tieren leben, können ihre Folgen besonders schwerwiegend sein. Gerät eine Herde in Gefahr, steht schnell weit mehr auf dem Spiel als die Gesundheit der Tiere: Nahrung, Einkommen und damit die Lebensgrundlage einer ganzen Familie können bedroht sein.
Simon Gadwech Duol kennt diese Realität. Er arbeitet für VSF-Suisse in Akobo und erlebt, wie unterschiedliche Notsituationen die Region immer wieder treffen.
Doch wie entscheidet man in einer solchen Situation, welche Unterstützung Tierhalter tatsächlich brauchen? Welche Massnahme hilft jetzt und welche kann möglicherweise sogar mehr schaden als nützen?
Acht Prinzipien für den Ernstfall
Im Juli reiste Simon nach Juba. Gemeinsam mit 20 weiteren Fachpersonen nahm er dort an einem dreitägigen Training zu den Livestock Emergency Guidelines and Standards (LEGS) teil.
Für Simon war es das erste LEGS-Training. Besonders die acht grundlegenden Prinzipien, die bei der Unterstützung von Tierhalter in Notsituationen berücksichtigt werden, sind ihm geblieben.
«Ich habe sehr viel gelernt, insbesondere über die acht Prinzipien, die wir in Notsituationen berücksichtigen müssen, wenn wir Tierhalter unterstützen wollen.»
LEGS gibt Fachpersonen einen Rahmen, um in Krisen nicht einfach möglichst schnell zu handeln, sondern zunächst zu verstehen, welche Unterstützung in der konkreten Situation sinnvoll ist. Die Bedürfnisse und Erfahrungen der betroffenen Menschen werden dabei ebenso einbezogen wie die verfügbaren Informationen vor Ort.
Das Wissen reist weiter
Auch für Simon Gadet Ruech aus Nasir war das Training eine Premiere. Was er in Juba gelernt hat, soll deshalb nicht in einem Seminarraum bleiben.
«Zum ersten Mal habe ich mich mit den Livestock Emergency Guidelines and Standards beschäftigt. Dieses Wissen nehme ich mit zurück zu meinen Leuten. Unsere Tiere sollen gesund bleiben.»
Genau darin liegt die langfristige Wirkung des Trainings: 21 Teilnehmende aus verschiedenen Organisationen, Veterinärdiensten und staatlichen Stellen tragen das Gelernte zurück in ihre jeweiligen Einsatzgebiete und Gemeinden.
Wenn dort die nächste Krise eintritt, können sie auf dieses Wissen zurückgreifen und gemeinsam mit den betroffenen Menschen entscheiden, welche Unterstützung ihre Tiere und ihre Lebensgrundlagen am besten schützt.
Heute lernen, morgen besser handeln
Geleitet wurde das Training von Dr. Kwajok Tongun, Country Programme Manager von VSF-Suisse und akkreditierter LEGS-Trainer, sowie Dr. Julius Kajume, ebenfalls akkreditierter LEGS-Trainer.
Für VSF-Suisse ist die Ausbildung lokaler Fachpersonen ein wichtiger Bestandteil nachhaltiger Krisenvorsorge. Denn wenn Wissen vor Ort vorhanden ist, können Entscheidungen dort getroffen werden, wo ihre Auswirkungen unmittelbar spürbar sind.
Das LEGS-Training fand vom 13. bis 15. Juli 2026 in Juba im Rahmen der Projekte THRIVE, finanziert durch das britische Foreign, Commonwealth & Development Office (FCDO), und PROWIGA, finanziert durch die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), mit Unterstützung des Ministry of Livestock and Fisheries und weiterer Partner statt.
Jetzt Spenden
Unsere Arbeit ist nur möglich, weil Menschen uns unterstützen. Mit einer Spende helfen Sie dabei, Tiere gesund zu halten und Familien eine Zukunft zu geben.



