Unsere Expertise

Strategische Ziele und Ansätze

 

VSF-Suisse verfolgt mit ihren Aktivitäten folgende drei strategischen Ziele:

  1. Verbesserte und leistunsgfähige Gesundheitsdienste für Mensch und Tier in unterversorgten Gemeinschaften
  2. Verbesserte kleinbäuerliche und viehwirtschaftliche Produktionssysteme und Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen
  3. Integrativere und verbesserte Marktsysteme mit geschulten Marktakteuren und Dienstleistern

Zur Erreichung dieser Ziele nutzt VSF-Suisse drei thematische und drei transversale Ansätze. Alle Ziele und Ansätze sowie deren Verbindungen finden sich veranschaulicht in der Theory of Change auf der rechten Seite. Im Folgenden sollen die einzelnen Ansätze erläutert werden.

Thematische Ansätze

One Health

One Health ist ein integrativer Ansatz, der darauf abzielt, das Wohlbefinden von Menschen, Tieren und Ökosystemen zu optimieren, indem ihre Verbundenheit anerkannt wird. Es ist eines der Schlüsselprinzipien von VSF-Suisse – reflektiert in unserem Slogan „Gesunde Tiere – Gesunde Menschen – Gesunde Umwelt“.

Diese drei Komponenten können nicht alleine stehen und benötigen einen integrierten Ansatz. Nur eine gesunde Umwelt kann für gesunde Tiere und Menschen sorgen. Nach jahrzehntelanger getrennter Arbeit dieser drei Sektoren ist eine gemeinsame Definition von Zielen und Ansätzen erforderlich. Dies bringt Vorteile, die sonst nicht möglich wären, einschliesslich der frühzeitigen Erkennung von Gesundheitsereignissen aufgrund verbesserter Kommunikation zwischen Sektoren, Bereitstellung von Kostenbeteiligungsregelungen und bessere Anpassung an die Bedürfnisse ländlicher Gemeinschaften, was wiederum zu erhöhtem Zugang zu und Nutzung von Dienstleistungen führt.

Zusammen mit wichtigen Interessengruppen definiert, implementiert, evaluiert und schlägt VSF-Suisse One Health-Ansätze vor, die von mehreren Gesundheitssektoren getragen werden, und setzt sich für politische Reformen zur Kontrolle von Zoonosen und Stärkung von Gesundheitsdiensten in unterversorgten ländlichen Gebieten ein.

Nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen

In den Gebieten, in denen VSF-Suisse mit nomadischen und halbsesshaften Gemeinschaften zusammenarbeitet, sind Millionen von Menschen mit den Auswirkungen von Bodendegradation konfrontiert. Diese bedroht ihre Lebensgrundlagen. Die Folgen sind sinkende Ernteerträge und Weidewirtschaftsressourcen, schlechte Wasserqualität und zunehmende Bodenerosion.

Die nachhaltige Bewirtschaftung natürlicher Ressourcen (Natural Rangeland Management, NRM) hat eine lange Geschichte in den sahelianischen Trockensteppen. Sie zielt in erster Linie darauf ab, Lebensgrundlagen, die Widerstandsfähigkeit des Agroökosystems, die landwirtschaftliche Produktivität und Umweltdienstleistungen zu verbessern. In ihren Programmen in Kleinbauern- und Viehzuchtsystemen übernimmt VSF-Suisse Prinzipien der NRM:

  • Verständnis für den Zugang zu natürlichen Ressourcen und Landregime
  • Teilnahme an der Zielfestlegung des NRM
  • Ein ökosystemischer Ansatz, die beispielsweise die Vernetzung von Trockengebieten und Wasserressourcen anerkennt
  • Multisektorale Einbeziehung auf lokaler, subnationaler und nationaler Ebene
  • Dialog und Konsensbildung zwischen Akteuren, die die Formalisierung von Abkommen und Durchsetzungsmechanismen für bestehende Gesetze und Richtlinien ermöglichen.
  • Gegenseitiges Lernen und Kapazitätsentwicklung sind übergreifende Aktivitäten, die lokale Organisationen in adaptivem Management unterstützen und technologische sowie politische Innovationen im NRM ermöglichen.

Entwicklung von Marktsystemen

Ansätze zur Entwicklung von Marktsystemen (Market Systems Development, MSD), auch als Märkte für die Armen oder Integrative Marktentwicklung bekannt, sind systemischer als klassische Wertschöpfungskettenansätze.

Sie berücksichtigen Kernfunktionen des Marktes (z.B. Organisation von Angebot und Nachfrage), während sie unterstützende Dienstleistungen wie die Bereitstellung von Inputs für Produzent:innen und die Definition des rechtlichen Rahmens stärken.

MSD-Ansätze im Viehsektor sind notwendig, da Produzent:innen oft Schwierigkeiten beim Marktzugang haben und somit das wirtschaftliche Potenzial (Arbeitsplätze, Einkommen) nicht freigesetzt werden kann. VSF-Suisse macht sich MSD-Ansätze zunutze, indem durch Bauernorganisationen und mit systemischen Partnern (wie Ministerien für Normsetzung oder Genossenschaften für die Versorgung von Bauern mit Inputs) gearbeitet wird.

Der MSD-Ansatz wird in verschiedenen Sektoren umgesetzt: von Rindern und kleinen Wiederkäuern bis zu nicht-holzigen Forstprodukten (z.B. Sheabutter, Honig). VSF-Suisse kombiniert die Vorteile von MSD-Ansätzen mit den Stärken anderer Ansätze wie NRM und organisatorischer Entwicklung von Bauernorganisationen, um soziale Kriterien und Umweltkriterien nicht zu vernachlässigen.

Transversale Ansätze

Agrarökologie

VSF-Suisse verfolgt einen agrarökologischen Ansatz mit Fokus auf Viehzucht, um nachhaltige Produktion zu ermöglichen und Ernährungssysteme zu verbessern. Ein kürzlich veröffentlichter Bericht der agrarökologischen Prinzipien für nachhaltige Ernährungssysteme ergänzt die 10 Elemente der FAO durch die  Aspekte Boden, Tiergesundheit und Diversifizierung. Die resultierenden agrarökologischen Prinzipien sind:

  1. Recycling
  2. Inputreduktion
  3. Bodengesundheit
  4. Tiergesundheit
  5. Biodiversität
  6. Synergie
  7. Wirtschaftliche Diversifizierung
  8. Mitgestaltung von Wissen
  9. Soziale Werte und Ernährung
  10. Fairness
  11. Konnektivität
  12. Land- und natürliche Ressourcenverwaltung
  13. Teilnahme

VSF-Suisse bekennt sich insbesondere zur Solidaritätsdimension der Agrarökologie.

Kapazitätsentwicklung

Dieser Ansatz soll die vorhandenen Mittel der Gemeinschaften, mit denen wir zusammenarbeiten, sichern und weiterentwickeln, einschliesslich des menschlichen, finanziellen und sozialen Kapitals. Die Kapazitätsentwicklung zur Stärkung der Projektteilnehmenden ist entscheidend. Die Bemühungen konzentrieren sich dabei auf zwei Dimensionen:

Die Stärkung von miteinander verbundenen Fähigkeiten (z.B. wirtschaftliche, menschliche, politische, sozio-kulturelle) und die Stärkung der Schutzfähigkeiten.

  • Wirtschaftliche Fähigkeiten beziehen sich auf die Möglichkeiten einer Gemeinschaft, in Ertrag bringende Aktivitäten zu investieren.
  • Menschliche Fähigkeiten beziehen sich auf die Alphabetisierung zur Erreichung von Veränderungen.
  • Politische Fähigkeiten spiegeln sich in lokalen politischen Organisationen, die sich für Veränderungen einsetzen – wie Gewerkschaften und Kooperativen – wider.
  • Sozio-kulturelle Fähigkeiten sind die Netzwerke und Traditionen von Gemeinschaften, um gemeinsam Veränderungen zu erreichen;
  • Schutzfähigkeiten sind die Fähigkeit der Gemeinschaft, die Bedürftigsten und Verletzlichsten (z.B. ausgestiegene Pastoralist:innen) zu schützen.

Auf individueller Ebene konzentriert sich VSF-Suisse auf die Schulung von Bäuerinnen/Bauern und Viehzüchter:innen in landwirtschaftlichen Techniken, Betriebswirtschaft und anderen Bereichen, die ihre Lebensgrundlagen beeinflussen.

Auf organisatorischer Ebene liegt der Fokus auf der Stärkung landwirtschaftlicher Organisationen und Kooperativen.

Auf Systemebene betont VSF-Suisse die Stärkung der Interessenvertretung (z.B. in Marktsystemen durch Stärkung der Advocacy-Fähigkeiten von Milchgenossenschaften) und der Bauernrechte.

 

Triple Nexus

VSF-Suisse ist in Regionen mit anhaltenden Konflikten oder wiederkehrenden Naturkatastrophen tätig, in denen es eine grosse Anzahl Binnenvertriebene (IDPs), unsichere Landrechte oder andere Situationen geprägt von Gewalt und Diskriminierung gibt. In diesen Kontexten macht ein Triple Nexus-Ansatz Sinn.

Triple Nexus kombiniert humanitäre Hilfe, Entwicklungszusammenarbeit und Friedensförderungsinitiativen. In weiten Teilen des Horns von Afrika und den Sahel-Ländern in Westafrika integriert VSF-Suisse humanitäre Hilfe und Entwicklungstätigkeiten (Double Nexus), engagiert sich in konfliktsensibler Programmgestaltung und fördert die friedliche Nutzung natürlicher Ressourcen wie z.B. Weideflächen. Ein wichtiger Grundsatz ist die OECD DAC-Empfehlung „Prävention immer, Entwicklung wo immer möglich und humanitäre Massnahmen, wenn nötig“.

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