Ernährungsbasierende Nothilfe in der Dürre geschädigten Siti-Zone (Projekte HRF SITI und „Nothilfe gegen die Dürre“)

Projektübersicht:

Land

Äthiopien

Projektname

HRF SITI

Projektstatus

abgeschlossen

Projektdauer

Start: 21.07.2015
Ende: 15.07.2016
12 Monate

Budget

CHF 590’447

Finanziert durch

UN OCHA, Glückskette

Projektgebiet

Themen

Tags

Hintergrund:

Die Siti-Zone ist der nördlichste Teil der äthiopischen Somali-Region. Dort leben ungefähr 522‘000 Menschen. 75-85% der Bevölkerung sind Nomaden, die sich von ihren Nutztieren und deren Produkten ernähren. Sie halten Schafe, Ziegen, Rinder und Kamele.

Die derzeitige Notsituation in der Siti-Zone basiert auf den Unregelmässigkeiten der Haupt-Regenzeiten. Normalerweise dauert die Regenzeit Gu/Dirra von Mitte März bis Mitte Mai und die Regenzeit Karan von Juli bis Mitte September. Beide Regenzeiten fallen seit 2014 jedoch spärlich aus und viele Gegenden der Siti-Zone haben kaum oder überhaupt keinen Regen erhalten. Diese Bezirke müssen nun mit kritischem Wassermangel, ernährungsbasierenden Gesundheitsproblemen sowie kargen Weideflächen kämpfen. Dies führt zu katastrophaler Ernährungsunsicherheit in den ärmeren Haushalten der Gegend.

Eine solch extreme Dürre hat es in der Siti-Zone seit 30 Jahren nicht mehr gegeben. Die Resultate dieses Regenausfalls und der folgenden Ernährungsunsicherheit betreffen über die Nutztierherden hinweg direkt die Menschen der Region:

Da es nicht mehr ausreichend Wasser und Weidepflanzen gibt, nehmen die Nutztiere massiv ab. Dadurch sinkt ihre Produktivität: Sie geben weniger Milch und Fleisch. Mangelernährte Tiere lassen sich schlechter verkaufen, das heisst, der Marktwert des Viehs ist enorm gesunken. Gleichzeitig sind die Tiere anfälliger für Krankheiten geworden. Allein im Monat April 2015 starben in dem 58‘064 Einwohner umfassenden Bezirk Ayisha 2‘000 Nutztiere. Mit Jahresende 2015 ist bereits die Hälfte der Nutztiere alleine aus der Siti-Zone abgewandert, um anderswo Nahrung zu suchen; von den verbliebenen Tieren sind 85% gestorben. Inzwischen ist auch das Überleben der Menschen nicht mehr gesichert, denn die Folgen des Fehlens von Nutztieren sind Mangelernährung aufgrund geringen Milch-, Milchprodukt- und Fleischkonsums, Anfälligkeit für Krankheiten sowie auch bei den Menschen eine erhöhte Sterblichkeitsrate.

Die nächste Regenzeit wird im März 2016 erwartet. Bis dahin müssen die Nomaden mit extrem wenig Wasser und zu wenigen, mageren Nutztieren auskommen. Grundwasser, das die Menschen trinken können, ist kaum vorhanden, und es fehlt sowohl Menschen als auch Tieren komplett an fester Nahrung. Um diese Unterernährung sowie die daraus resultierenden Krankheiten abzufedern, engagiert sich VSF-Suisse im Rahmen der Projekte HRF SITI und „Nothilfe gegen die Dürre“.

Projekt:

Die Siti-Zone ist der nördlichste Teil der äthiopischen Somali-Region. Dort leben ungefähr 522‘000 Menschen. 75-85% der Bevölkerung sind Nomaden, die sich von ihren Nutztieren und deren Produkten ernähren. Sie halten Schafe, Ziegen, Rinder und Kamele.

Die derzeitige Notsituation in der Siti-Zone basiert auf den Unregelmässigkeiten der Haupt-Regenzeiten. Normalerweise dauert die Regenzeit Gu/Dirra von Mitte März bis Mitte Mai und die Regenzeit Karan von Juli bis Mitte September. Beide Regenzeiten fallen seit 2014 jedoch spärlich aus und viele Gegenden der Siti-Zone haben kaum oder überhaupt keinen Regen erhalten. Diese Bezirke müssen nun mit kritischem Wassermangel, ernährungsbasierenden Gesundheitsproblemen sowie kargen Weideflächen kämpfen. Dies führt zu katastrophaler Ernährungsunsicherheit in den ärmeren Haushalten der Gegend.

Eine solch extreme Dürre hat es in der Siti-Zone seit 30 Jahren nicht mehr gegeben. Die Resultate dieses Regenausfalls und der folgenden Ernährungsunsicherheit betreffen über die Nutztierherden hinweg direkt die Menschen der Region:

Da es nicht mehr ausreichend Wasser und Weidepflanzen gibt, nehmen die Nutztiere massiv ab. Dadurch sinkt ihre Produktivität: Sie geben weniger Milch und Fleisch. Mangelernährte Tiere lassen sich schlechter verkaufen, das heisst, der Marktwert des Viehs ist enorm gesunken. Gleichzeitig sind die Tiere anfälliger für Krankheiten geworden. Allein im Monat April 2015 starben in dem 58‘064 Einwohner umfassenden Bezirk Ayisha 2‘000 Nutztiere. Mit Jahresende 2015 ist bereits die Hälfte der Nutztiere alleine aus der Siti-Zone abgewandert, um anderswo Nahrung zu suchen; von den verbliebenen Tieren sind 85% gestorben. Inzwischen ist auch das Überleben der Menschen nicht mehr gesichert, denn die Folgen des Fehlens von Nutztieren sind Mangelernährung aufgrund geringen Milch-, Milchprodukt- und Fleischkonsums, Anfälligkeit für Krankheiten sowie auch bei den Menschen eine erhöhte Sterblichkeitsrate.

Die nächste Regenzeit wird im März 2016 erwartet. Bis dahin müssen die Nomaden mit extrem wenig Wasser und zu wenigen, mageren Nutztieren auskommen. Grundwasser, das die Menschen trinken können, ist kaum vorhanden, und es fehlt sowohl Menschen als auch Tieren komplett an fester Nahrung. Um diese Unterernährung sowie die daraus resultierenden Krankheiten abzufedern, engagiert sich VSF-Suisse im Rahmen der Projekte HRF SITI und „Nothilfe gegen die Dürre“.

Projekt

Begünstigte der Verteilung von Fleisch im Rahmen des Projekts „Nothilfe gegen die Dürre“ sind Menschen, die von leichter akuter Unterernährung (MAM – „Moderate Acute Malnutrition“) betroffen sind. Die äthiopische Regierung sowie einzelne, wenige NGO verteilen derzeit Nahrung und Wasser an von schwerer akuter Unterernährung (SAM – „Severe Acute Malnutrition“) betroffene Personen. Um zu verhindern, dass die von leichter akuter Unterernährung Betroffenen noch schwächer werden, versorgt VSF-Suisse diese Bevölkerungsgruppe mit Fleisch. Dies erfolgt mittels grossflächiger Verteilung („Blanket Food Distribution“). Da die Nomaden an tierische Nahrungsmittel gewöhnt sind, erhalten sie Ziegen- sowie Kamelfleisch. Beide Fleischarten sind sehr nährstoffreich und ihr Verzehr steht in Einklang mit nomadischen Anschauungen und Gewohnheiten.

Um die wenigen verbliebenen Nutztiere zu retten, wird grossflächig Tierfutter verteilt. Da die Nutztiere meist die einzigen Besitztümer und somit die komplette Lebensgrundlage der Nomaden darstellen, ist es unbedingt nötig, so viele wie möglich zu retten.

Begünstigte der Milchziegenverteilung im Rahmen des Projekts HRF-Siti sind in erster Linie unter 5-jährige Kinder sowie Schwangere und stillende Mütter. Indem Milchziegen an diese verteilt werden, sinkt die Krankheitsanfälligkeit und Sterblichkeit der verwundbarsten Mitglieder der Familien, was den Familien und Nomadengemeinschaften als Ganzen zu Gute kommt. Die Wasserstellen, welche im Zuge des Projekts rehabilitiert werden, kommen ebenfalls der ganzen Nomadengemeinschaft zu Gute.

Kinder in trockenen und halbtrockenen Gebieten ernähren sich häufig nur von importiertem Getreide, da einerseits frisches Obst und Gemüse rar sind und andererseits in Dürrezeiten die Nutztiere zu mager sind, um ausreichend Milch geben zu können. Dadurch sind die Kleinkinder häufig untergewichtig, kleinwüchsig, ausgezehrt und leiden unter vielerlei Vitamin- und Mineralstoffmängeln wie zum Beispiel Vitamin A-Mangel, Zinkmangel oder Eisenmangel. Indem Nahrungsmittel aus tierischen Quellen („ASF – Animal Source Food“) an Familien kleiner Kinder verteilt werden, können diese Mangelerscheinungen relativ schnell vollständig beseitigt werden. Tierische Nahrungsmittel sind nährstoffreich sowie gut verdaulich und sollten daher eigentlich das Mittel der Wahl sein, um Mangelernährung in ariden und semiariden Nomadengebieten zu bekämpfen. Ausserdem wird mit dem Bereitstellen tierischer Nahrungsmittel die Lebensart der Nomaden unterstützt. Sie können somit leichter den Teufelskreis aus immer wiederkehrender Nährstoffarmut und Abhängigkeit von teuren Saatgut- und Getreideimporten durchbrechen. Neben der Versorgung der Jüngsten führt die Verteilung von Milchziegen langfristig also zu einer Steigerung des Selbstwertgefühls sowie der Möglichkeit, selbst Herden zu züchten und sich von diesen nachhaltig und ohne auf fremde Hilfe angewiesen zu sein zu ernähren.

Hierfür braucht es gar nicht allzu viel: 2 junge und gut ernährte Milchziegen geben täglich genug Milch, um 5 Kinder zu versorgen. In schlechten Zeiten, wenn die Ziegen magerer sind oder bereits älter, genügen 2 Ziegen aber immer noch, um 2 Kinder voll zu versorgen. Von einer Ziegenherde (7 Ziegen und 1 Bock) erhält eine ganze Familie also ausreichend Milch zur direkten Versorgung, kann ausserdem Milchprodukte wie zum Beispiel Jogurt herstellen, Jungtiere nachzüchten, und später auch Fleisch und Leder verarbeiten.

Ausserdem fliesst durch die Milchziegenverteilung Geld in die regionalen Märkte, da die Nomaden mit den in Folge nachgezüchteten Nutztieren Handel betreiben. Durch den Verkauf nachgezüchteter Jungtiere können sich viele Familien ein Einkommen schaffen und so langfristig selbst versorgen.

Hand in Hand mit der Verteilung der Milchziegen geht natürlich die Ernährungsschulung insbesondere schwangerer Frauen und stillender Mütter. Nicht zuletzt werden durch die Aufgaben, die Tiere zu versorgen und nachzuzüchten sowie deren Produkte zu verarbeiten, Frauen in ihrer Position als wichtige Mitglieder der Gesellschaft gestärkt.

Da natürlich nur gesunde Tiere den Nomaden als Nutztiere, auf denen die komplette Lebensgrundlage aufbaut, dienen können, müssen die Tiere immer wieder veterinärmedizinisch versorgt werden. Somit werden Gutscheine an alle begünstigten Familien ausgegebenen, mit denen die tiermedizinische Versorgung der verteilten Milchziegen gesichert wird. In Notfällen können die Ziegen also kostenlos von Gemeindelaientierärzten (CAHWs – „Community Animal Health Workers“) versorgt, entwurmt und geimpft werden.

Ein weiteres Element des Projekts ist die Installation von kleinen Dorfgemeinschaftsbanken (VICOBAS – „Village Community Banks“). Dort werden vor allem Frauen und Mitglieder besonders armer Familien beschäftigt, damit auch diese ein eigenes Einkommen aufbauen können. Die VICOBAS verwalten Geldreserven, welche in Notsituationen an die ärmsten Gemeindemitglieder ausgegeben werden. Dadurch können sich auch arme Familien, die in schlechten Zeiten nicht genügend Nutztiere zu Hause haben, durch den Kauf von Nahrungsmitteln ernähren.

Das Wissen um Viehzucht, Viehversorgung, Handel mit Vieh, sowie Verarbeitung von Nutztierprodukten wie zum Beispiel Jogurt oder Leder, wird innerhalb der Nomadengemeinschaften weitergegeben und sorgt dafür, dass diese sich langfristig gegen Naturkatastrophen und daraus resultierende Mängel wappnen können. Die Widerstandsfähigkeit der Nomadengemeinschaften wird somit gestärkt.